Die Macht der Bilder
Veröffentlicht am November 10, 2006
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Schon komisch, was Bilder anrichten können – erst recht wenn Sie im Netz veröffentlicht werden. Schon früher lehrten unsere Eltern, nicht alles zu glauben, was im Fernsehen gesendet wird. 180.000 YouTube-Besucher sahen bisher ein Anti-Bush-Video, dessen Behauptungen schlicht und einfach falsch sind.
Das Weiße Haus investiert viel in seine Öffentlichkeitsarbeit. Die eigene Homepage whitehouse.gov versucht daher mit besten Mitteln, die Arbeit der US-Regierung in ein günstiges Licht zu stellen. Dagegen ist nichts einzuwenden.
Mike McIntee, ein offensichtlich ambitionierter WhiteHouse.gov-Leser, sah genau hin und entdeckte angebliche Ungereimtheiten, die er bei YouTube veröffentlichte. Er behauptet, die Regierung hätte ein Video manipuliert. Man habe das Fernsehbild einfach oben abgeschnitten, um das Werbebanner mit der Aufschrift “Mission Accomplished” (dt.: Mission beendet) zu verbergen. Als Ausgleich sei am unteren Bildrand ein schwarzer Balken eingeblendet worden. “Geschichtsfälschung”, so der ungeheuerliche Vorwurf.
Dumm nur, dass McIntees Behauptungen haltlos sind. Wie bei vielen anderen Videos auch, wurden einfach nur die Grafiken des Fernsehsenders verdeckt, von dem die Bilder stammten. Das Vergleichsfoto, das McIntee benutzt, um den angeblichen Schwindel aufzudecken, wurde aus einer anderen Perspektive aufgenommen.
Was sich Mike McIntee genau dabei gedacht hat, dieses Video zu produzieren, bleibt unklar. Ganz unabsichtlich hat er diese Falschmeldung aber wohl nicht verbreitet. Blogger berichten, McIntee hätte ihre kritischen Kommentare zu dem Video einfach gelöscht (dies ist bei YouTube möglich).
Das Video, am 6.November bei YouTube eingestellt, kam nämlich noch rechtzeitig vor dem Urnengang ins Netz, um die Runde zu machen. In der Tat griff die Blogger-Szene das Thema freudig auf, um ein wenig Bush-Bashing zu betreiben – allen voran das einflußreiche Polit-Blog “Huffington Post“.
Mittlerweile sind mehrere Gegendarstellungen auch bei YouTube verfügbar. Doch auch dies wird nicht verhindern, dass sich weiterhin Tausende von Nutzern das Video ansehen und einer Lüge aufsitzen, der sie nur allzu gern glauben wollen. 180.000 sahen das Video bisher, die Gegendarstellung “McIntee is lying” nur 16.000.
So ist das eben mit dem Internet…

