Das Theater von Blacksburg
Veröffentlicht am April 18, 2007
unter Gesellschaft, Politik, Terrorismus | Comments Off
Keine Frage: Es ist eine Tragöde, was sich da vorgestern in Virgina abgespielt hat. 31 Tote, mehrere Verletzte. Damit erreicht die Gewalt an amerikanischen Schulen einen neuen Höhepunkt.
Laut BBC-World-News gibt es jede Woche irgendwo in den Staaten einen Vorfall mit Schusswaffen an Highschools, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen. Die Zahl der Verletzten und Toten ist dabei stets gering, jedoch nicht minder tragisch. Insofern ist der Vorfall in Blacksburg nur ein weiterer in dieser Reihe, eben nur mit erheblich mehr Opfern.
Die Bestürzung in den öffentlichen Ämtern ist groß. Diverse Politiker bedauern öffentlich, wie traurig sie die Situation macht und welches Mitgefühl sie den Angehörigen entgegenbringen. George W. Bush ließ es sich nicht nehmen, auf der Trauerfeier für die Opfer zu erscheinen und ein paar Worte zu sprechen.
Doch machen wir uns nichts vor. Dabei wird es bleiben. Außer leeren Worthülsen wird sich die amerikanische Politikerkaste nichts einfallen lassen, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Auch Blacksburg wird kein Grund sein, über ein wirksames Waffenkontrollgesetz nachzudenken. Und genau hier fängt es an, pervers zu werden. Niemand wird anfangen, alle Studenten heimlich zu bespitzeln, Rasterfahndungen einzuleiten oder ihre e-mails mitzulesen. Niemand wird versuchen, mit allen legalen und illegalen, geheimdienstlichen Mitteln den nächsten Highschool-Amokläufer zu finden. Auch wird Hr. Bush bis zum nächsten Massaker das Wort Student nicht mehr in den Mund nehmen.
Denn, und das ist die traurige Schlussfolgerung aus den jüngsten Ereignissen, Opfer von Amokläufern sind weniger wert als die von terroristischen Anschlägen, obwohl sich beide Tätergruppen nur in ihrer Motivation unterscheiden. Das nährt zumindest bei mir den Verdacht, dass es in der amerikanischen Sicherheitspolitik gar nicht darum geht, Amerikaner zu schützen…

