Stammtischparolen

Veröffentlicht am June 9, 2008
unter Grundrechte, Medien | Comments Off

Der vermeintliche Holzklotz-Werfer hat sein Geständnis widerrufen. Das jedenfalls verkündeten seine (neuen) Anwälte. Udo Vetter hatte schon vor einigen Tagen vermutet, dass die Art und Weise des Geständnisses erhebliche Zweifel an deren Rechtmäßigkeit aufkommen lässt:

Wie wäre die Angelegenheit wohl verlaufen, wenn Nikolai H. mit einem Anwalt geredet hätte – statt mit RTL? Interessant wäre auch, ob und wie oft Polizisten mit Nikolai H. in den letzten Wochen gesprochen haben. Ob sie ihm eröffnet haben, dass er längst verdächtigt wird, er als Beschuldigter gilt, er deshalb schweigen und einen Anwalt fragen darf?

Außerdem hatte der Verdächtige während seiner Aussage starke Entzugserscheinungen.

Die Bild-Zeitung nahm das Thema nun erneut dankbar auf:

Nach all dem Drama und Unglück, scheint jetzt wohl die Stunde der Winkeladvokaten zu schlagen…

Der Mob schreit auf, der Pöbel empört sich. Dass auch Verdächtige und Angeklagte Rechte besitzen, scheint zumindest bei der Bild niemanden zu interessieren. Solange die Sau durchs Dorf getrieben und anschließend geschlachtet werden kann, sind Grundrechte doch zweitrangig und eher hinderlich. Hauptsache, die Auflage stimmt!

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