Heiße Luft
Veröffentlicht am August 1, 2008
unter Internet, Menschenrechte, Politik | Comments Off
Schon vor einiger Zeit war mir übel aufgestoßen, dass die Herren des IOC oder des Deutschen Olypischen Sportbundes nicht wirklich daran interessiert sind, Menschenrechte im Zuge der Spiele in China durchzusetzen oder deren Fehlen wenigstens anzuprangern. Seit zwei Tagen empören sich nun die Medien, dass ihr Internetzugang im Pressezentrum zensiert sei – wohl auch mit Zustimmung des IOC selbst. Dass sollte heute vorbei sein. In Wirklichkeit sind nur wenige, prominente Seiten freigeschaltet worden. Die Seiten von Tibet-Aktivisten oder Human Rights China bleiben weiterhin abgeklemmt. Schon da keimt in mir die Frage: Wen wundert’s?
Nun berichtet heise, dass auch die Print-Medien im Olympischen Dorf, namentlich die deutschen Unterkünfte, einer Voll-Zensur unterliegen. Weder der FAZ noch der Welt gelang es, Wege zu finden, um ihre überregionalen Publikationen zeitnah ins Dorf zu bekommen. Chinesische Behörden benötigen mindestens drei (!) Tage, um ihrer Zensurwut zu frönen. Erneut die Frage von mir: Wen wundert’s?
Doch der Oberknaller ist die Reaktion des Bundestagspräsidenten Lammert. Heise schreibt nämlich:
Bundestagspräsident Norbert Lammert hat in einem Schreiben an den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, gegen die Maßnahmen protestiert. Er müsse ihm seine “Fassungslosigkeit” angesichts des “offensichtlich handfesten Ansinnens der chinesischen Behörden” mitteilen. Dass die chinesische Führung ihrem eigenen Volk elementare Grundrechte vorenthalte, zähle wohl zu den “von unserer Seite her nicht zu ändernden, beschämenden Schattenseiten der Spiele”. Aber dass die chinesische Zensur versuche, “den Informationsfluss deutscher Teilnehmer und ihrer Gäste zu kontrollieren”, sei völlig inakzeptabel.
Inakzeptabel??? Wenn dem wirklich so wäre, dann würden DOSB und Politik an einem Strang ziehen und sofort alle deutschen Teilnehmer zurückziehen, oder zumindest damit drohen. Aber wie wir wissen, ist das ja keinesfalls im Interesse der Sponsoren…

