Schuld sind die Anderen

Veröffentlicht am March 3, 2010
unter Justiziables, Politik | 1 Kommentar

Heute war die Gedenkfeier anlässlich des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs vor einem Jahr angesetzt. Redner war unter anderem Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roter. In seiner Rede nahm der Herr /auch wenn noch nicht im Amt zu jener Zeit) den Mund ziemlich voll. Der Focus zitiert wie folgt:

„Wer von uns hätte sich vorstellen können, dass international handelnde Baufirmen in solch großen Umfang täuschen, manipulieren und betrügen“, sagte der SPD-Politiker.

Der umbarmherzige Konkurrenz- und Preisdruck dürfe keine Entschuldigung dafür sein, an Qualität und Solidität und damit an der Sicherheit zu sparen, betonte Roters. Manipulation und Betrug hätten offensichtlich System, wie Ermittlungen an anderen Großbaustellen in Düsseldorf oder Bayern zeigten.

Es sei höchste Zeit, die Verantwortlichkeiten zu klären und notwendige Konsequenzen zu ziehen, sagte Roters und legte dem für den Bau zuständigen technischen Vorstand der Kölner Verkehrsbetriebe den Rücktritt nahe.

Wie man sieht, sind nur die anderen Schuld. Die schlampige Bauaufsicht, die der Bauherr praktischerweise gleich selbst durchführen durfte, ist natürlich vollkommen unschuldig an dem Desaster. Dabei war es Aufgabe der Stadt Köln, die Bauarbeiten zu beaufsichtigen. Da man jedoch Geld sparen wollte, delegierte man die Arbeit kurzerhand an die Dependance der Bauaufsicht in Düsseldorf. Die jedoch wollte es auch nicht selbst machen oder wollte auch Geld sparen, und beauftragte eine Privatfirma mit der Kontrolle. Und so kam es, dass ausgerechnet die Firma für die Aufsicht zuständig war, die als Bauherr in Köln tätig war.

Verantwortlich sind also in erster Linie die Behörden und Ämter in Köln und Düsseldorf, die es überhaupt so weit kommen ließen. Denn dass es in der Bauwirtschaft zu auffallend höheren Betrugsfällen als in anderen Branchen kommt, ist schon länger bekannt.

PS: In dieses Bild passt auch die merkwürdige Verlautbarung der Verantwortlichen in Köln kurz vor den närrischen Tagen. Darin hieß es, das Fehlen von 80 Prozent (!!!) der Stahlträger würde die Stabilität und Sicherheit der Baustelle nicht beeinträchtigen. Wie bitte? War der Architekt spendabel oder inkompetent, dass er gleich das Fünffache der Stahlträger einplante als notwendig? Oder will uns hier jemand an der Nase rumführen? Für wie blöd halten uns die Herren eigentlich?

Kommentare

Ein Kommentar zu “Schuld sind die Anderen”

  1. Fraktale-Architektur on March 4th, 2010 15:15

    Bei all den Skandalen der Vergangenheit (eingestürzte Sporthallen, unsichere Atom-Endlager, Holtzmann, etc.), verliert man langsam aber sicher das Vertrauen in dt. Bauunternehmen.

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