Nun also auch Frankreich
Veröffentlicht am May 20, 2010
unter Justiziables, Politik | 1 Kommentar
Gestern beschloss das französische Kabinett das Verbot der Vollverschleierung in Frankreich. 150 € Strafe kostet es, wenn man mit Gesichtsschleier angetroffen wird, 15.000 € werden bei Nötigung zur Verschleierung fällig. Während ich den zweiten Punkt durchaus nachvollziehen kann, ist mir die Strafe bei freiwilliger Verschleierung immer noch suspekt.
Den Vogel schoss die französische Justizministerin Michèle Alliot-Marie dazu ab. Sie begründete das Verbot damit, dass die Demokratie auf Kommunikation basiere und so ein Schleier das ja unmöglich mache. Und deshalb müsse man ihn verbieten. Mit anderen Worten: die Demokratie ist in Gefahr! Ah ja? Welche Gefahr für die Demokratie geht denn von den geschätzten 2000 betroffenen Frauen in Frankreich aus? Da müssen die anderen 64 Millionen Franzosen aber zittern, oder?
Ich halte die gesamte Diskussion für ein riesiges Ablenkungsmanöver. Genau wie in Deutschland muss man sich dann nämlich nicht ernsthaft für die Versäumnisse in der Finanzpolitik seit 2008 kümmern, die zum jetzigen Desaster geführt haben. Man muss nicht erklären, welches Motiv Spekulanten haben, wenn sie angeblich den Euro in die Knie zwingen wollen. Man muss nicht öffentlich Farbe bekennen, dass man die letzten Jahre zuviel Schulden gemacht hat. Und man muss nicht ausführlich erläutern, warum man jetzt die Inflation anheizt und Steuern erhöht.
Denn – und das ist das Schöne an solch einer Islam-Diskussion – man kann mit dem Finger auf Andersartigegläubige zeigen und auf diffuse Ängste der Bevölkerung vor dem Fremden spekulieren.
Ein Extra-Gesetz für 2000 Frauen, pah! Lächerlich!
Kommentare
Ein Kommentar zu “Nun also auch Frankreich”


Welche Gefahr geht 2000 Frauen in Burka aus, wird im Artikel gefragt. Welche Gefahr geht von 2000 Frauen in BDM-Uniform aus, möchte man zurückfragen.
Die Burka ist keineswegs nur ein exotisches Kleidungsstück, sondern sie symbolisiert, mehr noch als das Kopftuch, die orthodox-islamische Ordnung.
Wie sieht diese Ordnung aus? Hier einige Bestimmungen aus dieser Ordnung:
Die Menschen werden nach der klassischen Scharia in drei Rechtsklassen eingeteilt:
- Muslime, die alle Rechte haben, die man unter der Scharia haben kann.
- Dhimmis, die sich nach demütiger Zahlung einer Kopfsteuer für ein Jahr ein Lebensrecht erkaufen können. Ihr Status ist der Bürger minderen Rechts, die beispielsweise keine neuen Gotteshäuser errichten dürfen, die nicht für ihren Glauben werben dürfen und deren Zeugnis vor Gericht gegen Muslime nichts zählt. Zu den Bestimmungen der Dhimma gehört auch beispielsweise die Kennzeichnung von Juden durch einen gelben Fleck an der Kleidung. Dhimmis können nur Juden, Christen und Zoroastrier werden.
- Harbis, das sind alle nichtunterworfenen Juden, Christen und Zoroastrier, sowie alle Polytheisten, Dualisten, Atheisten und sonstige haben keinerlei Rechte, auch nicht das Recht auf Leben und Eigentum. Sie können sünd- und straflos getötet und beraubt werden.
Diese Lehren werden auch heute noch von prominenten muslimischen Gelehrten vertreten. Die große Mehrheit sagt nichts dazu, widerruft diese Lehren aber auch nicht.
Dümmer noch als undifferenzierte Ängste vor dem “Fremden” ist es, alles “Fremde” pauschal und ohne jede Sachkenntnis für harmlos zu erklären.